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GorillaDelphia Rezension auf PHANTANEWS.DE

08.03.2013

GorillaDelphia Rezension auf PHANTANEWS.DE

Auf der überaus und positivst erkenntniserweiternden Fantasy-Plattform "phantanews.de" wird GorillaDelphia rezensiert. Abermals unverständlicherweise völlig positiv.
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Rezensionstext von Bernd Meyer

Kurz vor­weg: Wer ernst­hafte Li­te­ra­tur mag, ist hier falsch. Den Gang run­ter, die dritte Tür links und den Auf­zug bis in den drit­ten Stock.
Noch je­mand hier? Prima. Ich habe gar nichts ge­gen ernst­hafte Li­te­ra­tur, nur GO­RIL­LA­DEL­PHIA passt nicht dazu. Nicht mal an­satz­weise. Da­für ist es ein Buch, das Spaß macht, wenn man hu­mor­volle Li­te­ra­tur und Don Mar­tin mag. Vor al­lem Letz­te­res, denn es ist ein recht laut­ma­le­ri­sches Buch. Im­mer noch da­bei? Aus­ge­zeich­net.


GO­RIL­LA­DEL­PHIA ein­zu­ord­nen ist nicht ganz ein­fach. Nicht wirk­lich Fan­tasy, nicht wirk­lich ein Krimi oder Agen­ten­thril­ler, es ist eher eine gute Mi­schung in ei­nem Set­ting, das zwi­schen al­lem steht. Schwer­ter, Schuß­waf­fen, Kampf-Teebeutel, Mons­ter und Zom­bies, Näh­ma­schi­nen­fa­bri­ken, Te­le­fon … es hat ein­fach al­les. Schöne Frauen, fins­tere Schur­ken, strah­lende Hel­den … OK, be­las­sen wir es bei Schur­ken und Hel­den. Ist ja auch schon ganz schön. Dazu ein paar nette An­spie­lun­gen, schmach­tende Jüng­linge, Ver­rat, Ver­schwö­rung und Won­z­krab­ben. Die Sty­ro­por­flos­sen nicht zu ver­ges­sen, die sind wichtig.
Aber na­tür­lich sollte ich viel­leicht nicht zu viel verraten.

Wen­den wir uns bei un­se­rem Streif­zug zu­erst dem Rü­cken­text zu:
Auf ei­ner un­wirt­li­chen In­sel nahe den Un­tie­fen von Zera­an­Kooch wird die ent­setz­lich zu­ge­rich­tete Lei­che ei­nes Gas­uh­renab­le­sers ge­fun­den. Ma­loo Ru­lez, Ober­haupt des ge­hei­men Pappinger-Ordens, setzt ih­ren bes­ten Pap­pin­ger auf den Fall an.
Die­ser wird je­doch auf dem Weg zur Ar­beit vom Bus über­fah­ren, und so über­nimmt der un­er­fah­rene Pappinger-Lehrling Ray Mo­ron den Job. Schon bald ent­wi­ckelt sich der Fall zu ei­ner atem­be­rau­bend ge­fähr­li­chen Mis­sion, die ei­nige Num­mern zu groß ist für Ray. Er kommt ei­ner Ver­schwö­rung auf die Schli­che, die die völ­lige und ab­so­lute Ver­nich­tung der mensch­li­chen Rasse zum Ziel hat.
Zwei Pro­bleme stel­len sich Ray in den Weg: 1) De­fi­nitv nie­mand wird ihm glau­ben. 2) Er hat nur noch we­nige Stun­den Zeit. Ray wird be­wusst, dass das Über­le­ben der Mensch­heit und das Schick­sal von Go­ril­la­Del­phia in sei­nen Hän­den liegt. Was ihn schließ­lich zu Pro­blem Num­mer 3 führt: Da hat er über­haupt keine Lust drauf.

Klingt selt­sam, aber keine Bange, es wird noch viel selt­sa­mer. GO­RIL­LA­DEL­PHIA nimmt ei­nen mit auf eine Ach­ter­bahn­fahrt durch eine Welt, die ganz an­ders ist als un­sere. Da exis­tiert Tech­nik ne­ben Be­schwö­run­gen, Mons­ter ne­ben Fisch­händ­lern und Gas­uh­renab­le­sern. Und mit­ten zwi­schen all dem sind die Pap­pin­ger, eine Or­ga­ni­sa­tion, de­ren Mit­glie­der »das Böse« be­kämp­fen. Auf der an­de­ren Seite sind furcht­bare Mons­ter, Ver­bre­cher (was das Glei­che sein kann) und Verschwörungen.

Ray Mo­ron also soll sich um den to­ten Gas­uh­renab­le­ser küm­mern, was ihn zu ei­ni­gen dunk­len, ge­fähr­li­chen Or­ten führt, die Schlag­kraft von Tee­beu­teln de­mons­triert und dar­legt, dass man kei­nen Fisch­händ­lern trauen sollte. Un­ter­legt mit Don Mar­ti­nes­ken Ge­räusch­ex­plo­sio­nen und ei­nem ge­rüt­telt Maß an durch­aus selt­sam zu nen­nen­den Hu­mor. Der Pappinger-Lehrling bringt also erst eine See­reise hin­ter sich, trifft dann auf sei­nen Kon­takt­mann, ei­nen schwu­len Fri­seur, mit dem er dann Orte wie den Schlechte-Laune-Wald auf­sucht, ei­nen Rum­mel­platz, wo ein Schun­klmons­ter (»Mooiiikh«) be­siegt wird und zum Schluß eine Näh­ma­schi­nen­fa­brik. Da­zwi­schen gibt es schwach­sin­nige An­rufe, den Kro­ket­ten­schlam­per, eine schöne Frau und ei­nen Brummifahrer.

An­zu­sie­deln ist GO­RIL­LA­DEL­PHIA ir­gendwo zwi­schen Ro­ma­nen wie PER AN­HAL­TER DURCH DIE GA­LA­XIS und schmerz­lich ver­miss­ten Ad­ven­ture­spie­len wie MON­KEY IS­LAND oder MA­NIAC MAN­SION, ge­würzt mit ei­ner Prise MAD-MAGAZIN. Man ist ver­sucht, es »Schwach­sinn« zu nen­nen, aber der Be­griff ist lei­der ne­ga­tiv be­legt. Der ein­zige ne­ga­tive Punkt an dem Buch ist aber in mei­nen Au­gen, dass es viel zu schnell zu Ende ist. Also »gu­ter Schwach­sinn«. Ei­nes der Bü­cher, die ei­nen Ge­fahr lau­fen las­sen, zum Gast in der Ge­schlos­se­nen zu wer­den, weil man ki­chernd da­sitzt. Oder laut la­chend. Ganz plötz­lich, ohne Vor­war­nung. Schon die beige­fügte Karte ist ein High­light, mit Na­men wie »Dom­mer­land (ab­ge­brannt)«, »CooCoo-Cachoo«, »Ore­ga­noo­Sor­bee«, »Bee­Zeen« oder »Syndel-Fingen«. Und das wa­ren noch lange nicht alle. Ich denke, man merkte es durch­aus, ich war hin und weg. To­tal be­geis­tert, hab es in ei­nem Zug durch­ge­le­sen. Wer zu et­was schrä­ge­rem Hu­mor ten­diert, kann hier ru­hig zu­grei­fen, es lohnt sich.

GO­RIL­LA­DEL­PHIA – RAGE AGAINST THE NÄH­MA­SCHINE von Timo Mra­zek

Ro­man, Pa­per­back Edi­tion
Matt mit Spot­lack und Prä­gung

Ta­schen­buch­for­mat 12 x 19 cm
350 Sei­ten

2 ab­ge­druckte Kar­ten

2 ab­ge­druckte Zei­tungs­mel­dun­gen

1 ab­ge­druckte Skizze
ISBN: 978–3-9814357–0-2

9,99 Euro

Ver­lag der-tm.de
GO­RIL­LA­DEL­PHIA — RAGE AGAINST THE NÄHMASCHINE
Cover Co­py­right Timo Mra­zek, der-tm.de

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