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GorillaDelphia Xmas Special

24.12.2010

Schorsch Luhny feiert Weilnachten. LaGerz® Moden.

Eine Kurzgeschichte, die zeitlich vor »GorillaDelphia – Rage against the Nähmaschine« angesiedelt ist. Es empfiehlt sich also, das Buch vor der Lektüre der Kurzgeschichte (insbesondere die letzten 300 Seiten) noch einmal zu lesen, um eventuelle Anspielungen nachvollziehen zu können ...


GorillaDelphia Christmas Special 2010

»Schorsch Luhny feiert Weilnachten«

Schorsch Luhny saß mit hängenden Schultern in seiner mickrigen Kemenate im Vorraum des Heizkellers der Nähmaschinenfabrik und pflückte ein weiteres Paar Weilnachtsbaum-Geschosse (»Kugeln«) aus der modrigen Munitionskiste.
Er pustete sanft darüber und wedelte mit einem kleinen Fellpinsel behutsam den Staub von der Oberfläche. Die gefleckte fluoreszierend gefleckte Ruoppstahl-Beschichtung funkelte im flackernden Schein der Neonfackel.
Zufrieden hing er die Geschosse neben die beiden Kerzen an den stachlichen Zweig des kleinen Weilnachtsbaums, faltete seufzend die Hände und genehmigte sich ein heimeliges Lächeln.

Sein Blick fiel auf die kleinen backsteinförmigen Gebilde unter dem kümmerlichen Baum.
»Geschenke!« jubelte Luhny innerlich und beugte sich vor.
Ein schallplattenhüllengroßes Gebilde.
Luhny zwinkerte sich selbst zu und löste neugierig die Verriegelung an der Außenseite. Dann entfaltete er vorsichtig das grelle Butterbrotpapier (mit dem im Mondlicht jaulenden regenbogenfarbenen Wildlederforgoçz darauf), das um das grauenvolle, augenbetäubende Stück Stoff gewickelt war.
Ein Hemd von LaGerz® Moden!
Es war ein ganz besonders widerliches Exemplar aus der streng limitierten Sommerkollektion »Fieses Fieber« gewesen – und jetzt, zu Weilnachten, endlich preislich erschwinglich für jemanden mit einem kümmerlichen Gehalt wie Luhny.
Mit einem kurzen »Schalurp!« entzottelte Luhny den zuckenden TeesaFylm um das Butterbrotpapier.
Ein Geschenk von ihm selbst an sich selbt.
Das hatte er sich schließlich verdient.
Und er freute sich darauf, es endlich anzuziehen. Hurra.

*

So mag denn inzwischen manch ein aufmerksamer Leser geneigt sein, sich zu fragen, wie denn, was denn, Weihnachten hier, religiöse Rituale aus dem heimischen Abendland in einer quasi-heidnischen Welt, die von Totenzehrern, Sturmgeistern und äußerst blutrünstigen Gottheiten heimgesucht wird.
Ja, des, äh. Ja.
Rein zufällig fiel der Forgulationstag des Großen WaaBoon (ein finsterer Gott aus einer ebenso finsteren und glücklicherweise längst vergangenen äh, Vergangenheit) exakt auf den 24. Dezember.
Zeitrechnung GorillaDelphia, selbstverständlich.
Nun denn.

*

Luhny öffnete den morchelnden Lederumschlag, der an ihn adressiert war. Oho! Ein Gutschein über 20 Taler für LaGerz-Moden! »Sorry we're clothed«, freute sich Luhny und überflog die gekritzelten Weilnachtsgrüße von Playmobert, die sich auf der Rückseite befanden. Ach, schön.
Und hier, was war das?
Oh wie wundervoll.
Sein ehemaliger Nebensitzer aus der Verrufschule, Willbethrownoverbert, hatte Luhny eine Postkarte vom Grobians-Wall geschickt. Sehr schön. Bis auf den »Gebühr bezahlt Empfänger« Vermerk auf der Rückseite.
Aber Luhny wollte nicht nachtragend sein und lächelte selig.
Dann machte er sich ans Verpacken seiner eigenen Geschenke. In wenigen Stunden begann die Feier – und es gab noch so viel zu tun!
Luhny entnahm der schwarzgelb gestreiften Metallbox neben sich ein unförmiges Gebilde mit zahlreichen trichterförmigen Öffnungen.
Ein Ohrenbetäuber.
590.000 Milliarden Phon.
Das ideale Präsent für Ohrenbetäubert. Ein Gasuhrenableser aus MalaThoniadis. Netter Kerl. Er wird sich sicher darüber freuen.
Behutsam legte Luhny die monoton summende Waffe zurück in die Box und wickelte sie in giftgrün gepunktetes gelbes Geschenkpapier.
Das gleiche tat er mit dem doppelläufigen Energie-Zerstoiber für Unrockbert. Der passionierte Gasuhrenableser würde sich über dieses äußerst ausgefallene Geschenk sicher freuen.
Ebenso wie Schluckbert, der Staubsaugervertreter aus KauldroonBubbel. Für ihn hatte Luhny zum Weilnachtsfest ein antikes doppelhabelanisches Rüsselgewehr mit einer verzinkten anuskäferförmigen Abschuss-Gumpe (im Fachjargon auch »Käpseleshalder« genannt) importieren lassen.
Schluckbert hatte Luhny im vergangenen Sommer vor einem betrunkenen Zwieback gerettet, der ihn während des Betriebsausflugs in einer Kneipe hatte zerdrücken und verspeisen wollen.
Luhny wollte sich für diesen Akt der "Menschlich"keit erkenntlich zeigen und hatte alle (beiden) Hebel in Bewegung gesetzt, um dieses seltenen Artefakts habhaft zu werden.

*

Als Luhny schließlich alle seine Präsente verpackt hatte, fiel sein Blick auf eine siffige Riesensocke in der Ecke seiner Kemenate.
L U N Y.
H.
Stand darauf.
Luhny erkannte die krakeligen Krokyllen-Schriftzeichen. Es war die Handschrift von seinem Chef, dem Krokettenschlamper.
Gerührt bebten seine Lippen. Ein salziger Film bildete sich auf Luhnys Augen und verschleierte seinen Blick. Zaghaft kullerte eine kleine Freudenträne über die Backe und klatschte einsam auf den kalten Fußboden.
Ein Geschenk von seinem Chef.
Äußerst verwunderlich, denn Krokyllen beschenkten zur Weilnacht eigentlich immer nur sich selbst. Und strichen zum zwölften Monat des Jahres meist auch noch das Gehalt. »Weilnachtsgeld« nannten sie das. Während sie es sich mit ihren klobigen Klauen gierig in die eigenen Taschen scharrten.
Wo es zwischen verrotzelten Taschentüchern, (für später zum Naschen konservierten) Popeln und Kroketten-Würze-Spendern ein karges, schepperndes Dasein fristete, bis es eines Tages auf dem Markt gegen eitrige Forgunellen-Kokons eingetauscht wurde.
Hachja.
Luhny konnte es kaum fassen. Ein Geschenk für IHN: Luhny.
Vom Krokettenschlamper!
Neugierig tastete Luhny das Päckchen ab. Es war in eine riesige alte, sehr löchrige und von grüner Patina überzogenen Socke gewickelt.
Luhny stülpte den Sockeneingang langsam um und wickelte den Sifferstoff nach unten.
Luhny war sprachlos, als er sein Geschenk herauszerrte.
Es funkelte und glitzerte.
Luhny Lippen bebten abermals.
Und es fielen ihm die Worte seines Chefs ein. Dieser hatte sich vor einigen Tagen abermals lautstark über den »ekelerregenden Unrat« im Fußraum des Rolls Rocket beschwert. Luhny hatte so eine grobe Ahnung, dass der Krokettenschlamper damit die stetig wachsende Anhäufung von abgezwickten Fußnägeln, Schorf, Hornhautfetzen und Fußpilzsporen gemeint haben könnte.
Und nun SOLCH ein Geschenk.
Ein Dimensionssauger.
Luhnys Augen glänzten gerührt. Ein eigener Dimensionssauger.
Wie schön.
Der würde ihnen sicher noch einige Freude bereiten.

– The End –

© 2010 Timo Mrazek, GorillaDelphia®
www.gorilladelphia.com

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